Am 17. Mai 2026, kurz nach neun Uhr morgens, lag über der Talstation der Wurmberg‑Seilbahn eine Mischung aus frischer Harzluft und leiser Erwartung. Die Einsatztaucher der DLRG‑Ortsgruppen Harsum und Peine waren angereist, um ein Höhentauchtraining zu absolvieren, das sich schon beim Eintreffen anders anfühlte als gewöhnliche Ausbildungstage. Der Betreiber der Seilbahn begrüßte die Gruppe persönlich, mit einer Herzlichkeit, die sofort hängen blieb. Noch bevor der erste Blick auf den Speichersee fiel, schickte er die Taucher auf eine Fahrt mit den Wurmbergcarts, eine rasante Abfahrt, die den Tag mit einem unerwarteten Energieschub eröffnete und allen ein Grinsen ins Gesicht schrieb. Es war der erste Moment, in dem klar wurde, dass dieser Tag mehr bereithalten würde als reine Ausbildung.
Oben am Wurmberger Speichersee, auf einer Höhe von 940 Metern, empfing die Gruppe eine kurze, freundliche Begrüßung durch C. Ehrhardt, die Vorsitzende der DLRG‑Ortsgruppe Braunlage / St. Andreasberg. Ein paar warme Worte, ein interessiertes Nachfragen, um zu spüren, dass die Einsatztaucher willkommen waren. Die Organisation des gesamten Tages lag in den Händen des Tauchreferenten M. Werth, dessen ruhige, strukturierte Planung sich bereits in den ersten Minuten bemerkbar machte.
Bevor die ersten Flossen das Wasser berührten, begann der theoretische Teil. Die Ausbilder führten die Gruppe durch die Besonderheiten des Höhentauchens, erklärten die veränderten Druckverhältnisse, die Auswirkungen auf Stickstoffsättigung und Nullzeiten und die Bedeutung präziser Berechnungen nach DGUV 102‑005. Zwischen den Zeilen lag die Erkenntnis, dass Höhe und Kälte nicht nur Zahlen verändern, sondern auch Entscheidungen, Wahrnehmung und Belastung. Die Gespräche drehten sich um reale Einsatzlagen, um Bergseen, um Situationen, in denen Erfahrung und Ruhe entscheidend sind.
Der erste Tauchgang brachte all das zum Leben. Schon beim Abtauchen wurde spürbar, wie anders sich das Wasser auf dieser Höhe verhält. Doch was sofort auffiel, war die Sicht glasklar, fast unwirklich. Der Speichersee öffnete sich wie ein stiller Raum, in dem jede Bewegung, jeder Luftzug, jede Geste sichtbar wurde. Die Tarierung verlangte Präzision, die Kälte kroch langsam in die Handschuhe, und die verkürzten Nullzeiten machten sich bemerkbar. Die Kommunikation untereinander funktionierte zuverlässig, und die Abstimmung zwischen Taucher, Signalmann und Einsatzleitung zeigte, wie eingespielt die Teams waren. Es war ein Tauchgang, der forderte und gleichzeitig faszinierte.
Zum Mittagessen ging es in die Wurmberg Alm, wo Wärme, gutes Essen und eine entspannte Atmosphäre den perfekten Rahmen boten, um Eindrücke auszutauschen. Die Gespräche drehten sich um die wilde Wurmbergcartsfahrt, übers tauchen und die Besonderheiten des Tages, aber auch um die Vorfreude auf den zweiten Tauchgang am Nachmittag.
Der zweite Tauchgang führte die Taucher erneut in die stille, glasklare Welt des Wurmberger Speichersees. Obwohl kein Übungsszenario geplant war, entwickelte der Tauchgang seinen eigenen Reiz. Die außergewöhnliche Sicht ließ selbst feine Strukturen am Grund deutlich hervortreten und verlieh dem Gewässer eine fast schwebende Ruhe. Die Tarierung reagierte sensibel, jede Bewegung zeichnete sich klar im Wasser ab, und genau diese Klarheit machte den Tauchgang besonders. Die Ausbilder beobachteten vom Ufer aus, wie konzentriert und ruhig die Teams arbeiteten. Es war ein Tauchgang, der weniger durch Aufgaben als durch die besondere Umgebung beeindruckte.
Zum Abschluss öffnete sich der Harz noch einmal von seiner eindrucksvollsten Seite. Der Betreiber der Seilbahn, der den Tag bereits am Morgen so besonders gemacht hatte, ermöglichte der Gruppe einen persönlichen Blick vom Aussichtsturm auf dem Wurmberg. Der weite Blick über Wälder, Täler und Höhen wirkte wie ein stiller Moment des Innehaltens nach einem intensiven Tag. Und weil dieser Tag ohnehin voller besonderer Erlebnisse steckte, ging es vom Turm nicht einfach zu Fuß hinunter, sondern mit der Teppichrutsche, die für ein letztes gemeinsames Lachen sorgte.
Am Ende stand ein Fazit, das sich nicht in Zahlen oder Protokollen ausdrücken lässt. Dieses Höhentauchtraining war mehr als eine Pflichtübung. Es war ein Tag voller Eindrücke, Herausforderungen und Begegnungen, die bleiben. Die Mischung aus fundierter Ausbildung, glasklarer Sicht, anspruchsvoller Praxis und den besonderen Momenten rund um den Wurmberg machte das Training zu einem wertvollen Baustein in der Qualifikation der Einsatztaucher und zu einem Erlebnis, das zeigt, wie lebendig Ausbildung sein kann, wenn Menschen, Umgebung und Engagement zusammenfinden.
